Warum ich angefangen habe, anders auf mein Gewicht zu schauen.
Ein persönlicher Beitrag von Peter Wieloch
Etwa sieben Minuten · In deinem eigenen Tempo
Meine Geschichte
Ich bin Peter. Ich bin Arzt und habe selbst lange mit Adipositas gelebt. Diese Gedanken beginnen mit einer Erwartung, die sich nicht erfüllt hat.
Jetzt würde es doch leichter werden
Während meines Sabbaticals war ich mit meiner Familie ein Jahr auf einem Schiff unterwegs. Ich hatte Zeit, mich auf mich selbst und auf das Abnehmen zu konzentrieren. Meine Vorstellung war: Unter diesen Bedingungen würde ich auch automatisch abnehmen.
Aber genau das passierte nicht.
Das hat mich erstaunt. Ich hatte meine gewohnte Umgebung verlassen. Trotzdem entwickelte sich mein Gewicht nicht so, wie ich es erwartet hatte. Diese Erfahrung brachte mich dazu, genauer hinzusehen.
Man nimmt sich selbst mit.
Auch auf dem Schiff war ich derselbe Mensch. Meine Fragen und Schwierigkeiten waren mitgekommen. Der Ortswechsel allein hatte sie nicht gelöst.
Die Auszeit gab mir allerdings etwas Wertvolles: Zeit, mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Ich wollte verstehen, wie jemand wie ich dauerhaft abnehmen kann – auch in einem Alltag mit Arbeit, Verantwortung und Familie.
Was ich als Arzt gelernt habe
In meiner ärztlichen Arbeit habe ich Menschen mit chronischen Erkrankungen und anhaltenden Schmerzen begleitet. Dabei habe ich immer wieder erlebt, wie wenig wir einem Menschen gerecht werden, wenn wir nur auf einen einzelnen Befund schauen.
Bei anhaltenden Schmerzen gehört deshalb mehr zum Gespräch als die Frage, wo es wehtut: Wie schläft dieser Mensch? Was macht ihm Angst? Was kann er im Alltag noch tun? Und welche Unterstützung hat er? Körperliche Veränderungen, seelische Belastungen und die Lebensumstände können zusammenwirken.17
Auch bei Adipositas reicht oft eine einzige Erklärung nicht aus. Veranlagung, Erkrankungen oder Medikamente können ebenso eine Rolle spielen wie Schlaf, Essgewohnheiten, persönliche Erfahrungen und das Umfeld. Wie diese Dinge zusammenwirken, ist von Mensch zu Mensch verschieden.5, 15
Für mich bedeutet das: Ich möchte verstehen, was einen Menschen belastet, was ihm hilft und was sich in seinem Leben verändern lässt. Mit diesem Blick beschäftige ich mich auch mit meinem eigenen Gewicht.
Was unter der Oberfläche liegt
Dabei geht es für mich inzwischen auch um alte Muster aus der Kindheit, um Ängste und um Lösungsversuche, an denen ich lange festgehalten habe. Ich möchte genauer verstehen, welche Strategien mir heute noch helfen und welche ich hinterfragen sollte.
Für mich gehört dazu auch Heilung. Ich meine damit, mich mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen und heute besser für mich zu sorgen.
Dass mein Leben auch Spaß macht
Heute merke ich, dass ich mehr Selbstfürsorge betreibe. Ich schaue darauf, dass es mir gut geht. Und darauf, dass ich auch Spaß in meinem Leben habe. Das ist früher zu kurz gekommen.
Deshalb beschäftigt mich neben meinem Gewicht eine weitere Frage: Wie möchte ich eigentlich leben? Was tut mir gut? Was möchte ich in meinem Alltag nicht immer wieder auf später verschieben?
Der Aufbau, den ich während dieser Beschäftigung mit dem Thema entwickelt habe, hilft mir auch heute noch. Welche Teile davon für andere Menschen hilfreich sein können, möchte ich in diesen Beiträgen nachvollziehbar machen.
Meine Erfahrung und dein eigener Weg
Meine Geschichte ist ein Ausgangspunkt. Vielleicht erkennst du dich in manchen Situationen wieder. Andere werden bei dir anders aussehen.
Gewicht wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: etwa Veranlagung, Lebensbedingungen, Schlaf, Erkrankungen und Medikamenten. Aus einer persönlichen Geschichte lässt sich deshalb nicht ablesen, was bei dir die entscheidende Rolle spielt. 5, 15
Du musst auch nicht erst deine gesamte Vergangenheit verstanden haben, um eine konkrete Frage zu deinem Essen, deiner Bewegung oder deiner Gesundheit anzugehen.
Nicht jeder hat die Zeit, sich so ausführlich einzuarbeiten, wie ich es während meines Sabbaticals konnte. Deshalb halte ich gute Begleitung für wertvoll: jemanden, der Informationen einordnet, Fragen beantwortet und mit einem zusammen hinschaut, wenn etwas nicht funktioniert.
Diese Beiträge verbinden fachliche Erklärungen mit persönlichen Erfahrungen und Fragen für deinen Alltag. Beginne mit dem, was dich gerade beschäftigt.
Ein Gedanke für den Alltag
Warum „Iss weniger und beweg dich mehr“ häufig nicht ausreicht
Wenn du abnehmen möchtest, kennst du diesen Rat wahrscheinlich längst. Vielleicht hast du damit schon Gewicht verloren. Trotzdem fällt es dir schwer, auf Dauer anders zu essen oder dich mehr zu bewegen. Dann lohnt sich ein genauer Blick: In welchen Momenten klappt es nicht, und was steht dir dort im Weg?
Ein Abend in der Küche
Stell dir vor: Du möchtest abnehmen und hast dir vorgenommen, weniger zu essen und dich mehr zu bewegen. Du hast eingekauft und weißt, was du abends kochen möchtest.
Dann kommst du müde nach Hause und hast Hunger. Für das Abendessen ist alles da. Aber du musst noch kochen. Während du in der Küche stehst, isst du schon etwas. Später kommt das eigentliche Abendessen dazu.
Hinterher ärgerst du dich. Für den nächsten Tag nimmst du dir vor, konsequenter zu sein.
Damit hast du allerdings noch nichts daran geändert, dass du am folgenden Abend wieder hungrig nach Hause kommen und erst kochen würdest.
Was an dem Rat stimmt
Um dauerhaft Gewicht zu verlieren, musst du über längere Zeit weniger Energie mit Essen und Trinken aufnehmen, als dein Körper verbraucht. Diesen Unterschied nennt man Kaloriendefizit. Anders zu essen und sich mehr zu bewegen kann dabei helfen. Bewegung tut deiner Gesundheit auch dann gut, wenn du dadurch kaum abnimmst. 1, 2
Für manche Menschen reicht der Rat als Einstieg. Sie verändern einzelne Mahlzeiten, trinken weniger kalorienreiche Getränke oder bewegen sich mehr. Wenn sie das beibehalten können, hilft ihnen die einfache Empfehlung.
Offen bleibt aber, wie du das in deinem Alltag schaffst. Ein Kaloriendefizit erklärt die Abnahme. Es sagt dir noch nicht, wie du nach einem langen Arbeitstag zu einem Abendessen kommst, das dir schmeckt und beim Abnehmen hilft.
Wenn das Abendessen schon vorbereitet ist
Was könnte an einem solchen Abend helfen? Im Kühlschrank steht eine vorbereitete Mahlzeit, die dir schmeckt. Du musst sie nur aufwärmen. Du brauchst kein Gericht auszuwählen, keine Zutaten zusammenzusuchen und nicht mehr zu kochen. So kannst du kurz nach dem Heimkommen essen.
Die Arbeit ist damit nicht verschwunden. Du hast sie früher erledigt. Auch dafür brauchst du Zeit. Vielleicht kannst du beim Kochen gleich eine zusätzliche Portion machen. Oder du wählst für späte Abende ein Essen, das sich ohne Kochen zusammenstellen lässt.
Eine vorbereitete Mahlzeit allein sorgt noch nicht dafür, dass du abnimmst. Es kommt auch darauf an, was und wie viel du insgesamt isst und trinkst. Sie verkürzt aber die Wartezeit bis zum Essen. Nun kannst du beobachten: Isst du dadurch vor dem Abendessen weniger nebenbei?
Was hilft, hängt von der Situation ab
Vielleicht läuft dein Abend ganz anders. Du hast bereits gegessen und greifst später trotzdem zu etwas Süßem.
Dann hilft dir ein schneller fertiges Abendessen möglicherweise wenig. Hier wäre zuerst zu klären, was dich nach dem Essen zu den Süßigkeiten zieht.
Deshalb lohnt es sich, einen bestimmten Moment zu beschreiben. „Abends esse ich zu viel“ lässt offen, was passiert. Genauer ist: „Beim Kochen esse ich schon Brot und Käse, weil ich hungrig bin und das Abendessen noch dauert.“ Jetzt weißt du, was du ausprobieren könntest: das Abendessen schneller auf den Tisch bringen und schauen, ob du vorher weniger nebenbei isst.
Wähle also eine konkrete Veränderung. Probiere sie aus und beobachte, was leichter wird und was weiterhin schwierig bleibt. Daran kannst du erkennen, was du als Nächstes ändern solltest. 3
Lege fest, was du wann ausprobieren willst
Aus „Ich müsste weniger essen“ wird zum Beispiel: „An späten Arbeitstagen wärme ich eine vorbereitete Portion auf.“ Du weißt damit, wann du was tun möchtest. Du musst dafür noch nicht alle deine Essgewohnheiten verstanden haben.
Klappt das Aufwärmen, und isst du vorher tatsächlich weniger, kannst du dabei bleiben. Fehlt abends trotzdem die vorbereitete Portion, schaust du dir die Vorbereitung an.
Steht das Essen bereit und du greifst dennoch zusätzlich zu, schau dir an, was dich in diesem Moment zum Essen bringt.
So lernst du aus dem Versuch, statt dir nur denselben Vorsatz noch einmal vorzunehmen.
Ein Gedanke führt zum nächsten
Und welche Rolle spielt die Willenskraft?
Im nächsten Beitrag schauen wir darauf, warum Wissen und ein guter Vorsatz im Alltag manchmal wenig verändern.
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Diese Themen findest du im Lesebereich
Ist Abnehmen eine Frage der Willenskraft?
Warum derselbe Abnehmplan nicht zu jedem Menschen passt
Warum ein guter Anfang noch keine dauerhafte Veränderung ist
Was du aus deinen bisherigen Abnehmversuchen lernen kannst
Was dein Gewicht über deine Gesundheit aussagt – und was nicht
Welches Ziel ist für dich sinnvoll?
Wo liegt dein persönlicher Ausgangspunkt?
Im kostenfreien Lesebereich findest du meine persönliche Geschichte, acht fachliche Beiträge und 17 Quellen. Du liest selbstständig und kannst die Anregungen für dich ausprobieren.
Ein persönlicher Monat mit Peter
Deine eigenen Muster verstehen.
Vielleicht erkennst du dich in meiner Geschichte wieder. Im persönlichen Monat schauen wir gemeinsam genauer auf deine Situation.
Mehrere ausführliche persönliche Gespräche
Wir schauen im Detail auf deinen Alltag, wiederkehrende Muster und bisherige Erfahrungen.
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Quellen zum Beitrag
Hier findest du die sechs in diesem Beitrag verwendeten Quellen. Die Nummern entsprechen der vollständigen Quellenübersicht mit 17 Quellen.
1DAG et al.: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas
Version 5.0, Oktober 2024. Abschnitt 1.1 erläutert den BMI. Abschnitt 5.4.2 und Empfehlung 5.11 behandeln Ernährung und Kaloriendefizit. Verwendet in 1.1 und 1.6.
Empfehlungen 1.15.2, 1.16.1, 1.16.3 und 1.16.6: Nutzen von Bewegung, Auswahl einer geeigneten Ernährung, Kaloriendefizit und ausreichende Nährstoffversorgung. Verwendet in 1.1 und 1.3.
Empfehlung 1.13.1: persönliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung besprechen. Ergänzend 1.19.3 und 1.19.5: konkrete Ziele setzen, Probleme lösen und Veränderungen beobachten. Verwendet in 1.1.
Gesundheitsinformation des US-amerikanischen NIH, zuletzt fachlich überprüft im Mai 2023. Beschreibt mögliche Einflüsse von Veranlagung, Schlaf, Medikamenten, Erkrankungen und Lebensumfeld. Daraus lässt sich nicht die Ursache bei einer einzelnen Person ablesen. Verwendet im Auftakt und in 1.2.
Empfehlungen 1.1.1–1.1.6: Erkrankungen, Medikamente, Essstörungen, persönliche Wünsche und Lebensbedingungen berücksichtigen; respektvoll über Gewicht sprechen. Verwendet im Auftakt sowie in 1.3 und 1.8.
17NICE NG193: Chronische Schmerzen verstehen und gemeinsam einordnen
Leitlinie zur Beurteilung chronischer Schmerzen, veröffentlicht am 7. April 2021. Empfehlungen 1.1.1 und 1.1.8–1.1.10: neben möglichen körperlichen Ursachen auch Schlaf, seelisches Wohlbefinden, belastende Erfahrungen, Beziehungen und Lebensbedingungen berücksichtigen. Persönliche Stärken und hilfreiche Strategien einbeziehen. Verwendet im Auftakt.